06.02. 2012
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Startseite >> Sachbücher >> Sprache >> Der Dativ ... Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein TodText: AC-Freizeit Redaktion Internet, Zeitung, Rundfunk - Informationen prasseln aus allen möglichen Kanälen auf uns ein und die Intervalle, in denen eine Nachricht veraltet, werden immer kürzer. Lektorate und Redaktionen stehen unter Druck, weswegen eine gründliche Auseinandersetzung mit dem zu veröffentlichenden Material häufig ausbleibt. Orthographische und grammatische Fehler in Büchern und Zeitungsartikeln sind daher keine Seltenheit mehr. Der Konsum kurbelt die Wirtschaft an und damit sich diese Kurbel auch ordentlich dreht, muss zunächst die Werbetrommel kräftig gerührt werden. Die Werbeindustrie ist es denn auch, die sich intensiv mit den sprachlichen Mitteln auseinandersetzt, mit denen man in der Flut von Werbebotschaften noch auf sich aufmerksam machen kann. Als Allheilmittel gelten in diesen Kreisen immer noch der Superlativ und die leidigen Anglizismen. So ist "Visa" nun mal Deutschlands "meiste Kreditkarte" und Ellen Betrix die "Care Company". Da nun in Amerika alles besser ist als im alten Europa, richtet sich die deutsche Unternehmenskultur natürlich auch dahin aus. Die gute alte Sekretärin heißt nun, obwohl sich ihr Aufgabenbereich um keinen Deut geändert hat, "Management Assistant" und im Büro ihres Chefs, dem "Assistant Manager", organisiert sie "Meetings" und "Workshops", da in Besprechungen und Arbeitsgruppen nun einmal viel zu wenig hemdsärmelige Dynamik herrscht. Doch das alles funktioniert nur, weil wir viel zu bereitwillig die Vergewaltigung unserer Sprache hinnehmen. Ohne groß darüber nachzudenken, saugen wir begierig jede Sprachmode in uns auf und plappern sie nach. Wenn auf MTV alles "easy" ist und "Oma's" Kuchen auf einmal besser schmeckt als Omas Kuchen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir "brutalstmöglich" unserer sprachlichen Identität beraubt werden. Genau dort setzt Bastian Sick mit seinen zu einem Buch zusammengefassten Spiegel-Kolumnen an (vgl. Zwiebelfisch). Mit sehr viel Ironie, nicht aber ohne eine gewisse Besorgnis, nimmt Bastian Sick die deutsche Gegenwartssprache ins Visier. Nicht belehrend sondern beschreibend schlägt er eine Schneise durch das Dickicht verbaler Ausscheidungen und entlarvt diese mit ihren eigenen stilistischen Mitteln als sprachlichen Sondermüll, über dessen Endlagerung nachzudenken lohnt. Hat Sie unsere Rezension neugierig gemacht? Kennen Sie das Buch bereits und können Sie unseren Eindruck bestätigen?
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