06.02. 2012
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Frank Schätzing: Der SchwarmText: AC-Freizeit Redaktion Warum in die Ferne schweifen, wenn die Gefahren doch so nah sein könnten? Warum müssen es immer die kleinen Männchen vom Mars sein, die die menschliche Zivilisation bedrohen? Vielleicht sind wir ja nicht die einzige Intelligenz auf diesem Planeten - und wenn nein, dann sind die anderen vielleicht viel älter als wir und haben sich auch viel weiter entwickelt. Und was passiert, wenn wir plötzlich auf diese fremde Intelligenz treffen? Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Wir kennen den Mond besser als die Tiefen der Ozeane. Wie können wir uns da unserer Alleinherrschaft über unseren Planeten sicher sein? Spannende Fragen, die der Roman "Der Schwarm" von Frank Schätzing stellt. Aus diesem Stoff entwickelt sich interessante Science-Fiction Geschichte mit ökologischer Botschaft, die zwar streckenweise Längen aufweist und dem Autor zum Ende hin ein wenig entgleitet, doch wegen ihres hohen Informationsgehalts auf alle Fälle lesenswert ist. Wirklich stark ist die Erzählung, wenn es um die Darstellung der wissenschaftlichen Zusammenhänge geht - schwerer tut sich der Autor allerdings bei der Komposition der einzelnen Teile zu einem harmonischen Ganzen. Die Geschichte beginnt mit dem verzweifelten Kampf eines peruanischen Fischers gegen einen mysteriösen Fischschwarm. Die Intensität und Spannung dieses ersten Kapitels nimmt gleich gefangen und weckt eine Erwartungshaltung, die im Fortgang leider nicht immer erfüllt wird. Denn nun springt die Geschichte in immer kürzeren Intervallen mehrmals rund um den Globus. Eine Vielzahl verschiedener Charaktere werden eingeführt und, mal mehr und mal weniger differenziert, gezeichnet. Zahllose Facetten des Lebens um und mit dem Meer, Integrationsprobleme der Ureinwohner, die Verwicklungen von Forschungsinstituten, Wirtschaft und Militär und weitere Aspekte, die, jeder für sich Stoff für einen eigenen Roman hätten abgeben können, überfrachten die Erzählung und lassen das Buch auf fast 1000 Seiten anschwellen. Weniger hätte der Gechichte gut getan. Da ist zum Beispiel Anawak, einer der Hauptakteure. Er ist Inuit, will es aber gar nicht sein. Identitätsprobleme, Alkoholismus des Vaters und andere Aspekte sind zwar politisch korrekt gemeint, bringen die Handlung aber keinen Schritt weiter und hätten, wie viele andere wenig konstruktive Passagen, ohne weiteres ausgelassen werden können. Die sich abzeichnende Katastrophe erreicht im zweiten Drittel dann apokalyptische Ausmaße, was die Vorstellungskraft des Lesers einfach überfordern muss und den Spannungsbogen immer wieder unterbricht. So traurig es auch sein mag, aber es spielt irgendwann einmal keine Rolle mehr, ob ein schlimmes Ereignis zehntausend, hundertausend oder aber eine Million Todesopfer fordert. Die große Zahl an Opfern anonymisiert eine Tragödie und nimmt ihr letztlich den Schrecken. Bereits in der Antike hat Aristoteles herausgefunden, dass die tragische Wirkung eines Dramas auf der Einheit des Ortes, der Handlung, der Zeit und der Personen beruht. Je weniger Personen in einem übersichtlich abgesteckten Zeitrahmen auf einer möglichst kleinen Erzählbühne eine deutlich umrissene Handlung tragen, desto intensiver wirkt die Geschichte. An diesen Erkenntnissen hätte sich "Der Schwarm" besser stärker orientiert. So bleiben die Charaktere plakativ und die temporeiche Handlung eröffnet viel Spielraum für spektakuläre Action-Szenen. Man wird das seltsame Gefühl einfach nicht los, dass hier schon bei der Konzeption des Romans auf eine spätere Verfilmung hingearbeitet wurde. Die Zutaten sind sämtlich vorhanden: Eine Katastrophe, ignorante Politiker, skrupellose Militärs, futuristische technische Ausrüstung wie Unterseeboote, wissenschaftliche Labors Forschungs- und Kriegsschiffe und am wichtigsten von allem eine kleine interdisziplinär zusammengewürfelte Gruppe idealistischer Wissenschaftler, die die Welt in einem schwülstigen Finale, natürlich nicht ohne Opfer in den eigenen Reihen bringen zu müssen, allen Widrigkeiten zum Trotz, rettet. Die gutgemeinte ökologische Botschaft, die da in etwa lauten könnte: "Mensch, gehe umsichtig und respektvoll mit den natürlichen Ressourcen um!" tritt dann auch hinter die weniger honorige Botschaft: "Mensch, tu was du willst! Wenn der Karren dann doch mal so richtig im Dreck steckt, haben wir immer noch Leute, die ihn wieder herausziehen." zurück. Nachdem die Amerikaner am "Independence Day" den Außerirdischen in den Arsch getreten haben, können sie nun auch den Aliens auf dem eigenen Planeten den Garaus machen - Hollywood lässt grüßen! Hat Sie unsere Rezension neugierig gemacht? Kennen Sie das Buch bereits und können Sie unseren Eindruck bestätigen?
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