06.02. 2012
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Jasper Fforde: Der Fall Jane EyreText: AC-Freizeit Redaktion Eine couragierte Titelheldin, die einem skrupellosen Bösewicht das Handwerk legen will und die, außer einem kleinen Team von Außenseitern, einen ganzen Macht- und Polizeiapparat gegen sich hat, den sie aber geschickt mit seinen eigenen Mitteln ausspielt: Dieser Plot kommt jedem aufgeklärten Leser oder Kinogänger nur zu bekannt vor. Doch Jasper Ffordes "Der Fall Jane Eyre" ist anders, weil er weit über die eindimensionale Handlung zweitklassiger Urlaubskrimis hinausgeht, die man sand- und sonnenmilchverschmiert im Hotelzimmer zurücklässt, weil sich die Mühe der Rückführung nicht lohnt. "Der Fall Jane Eyre" entführt den Leser in eine sonderbare Parallelwelt voller schräger Charaktere und irrwitziger Einfälle, dass man fasziniert und neugierig von Kapitel zu Kapitel hastet und das Buch kaum aus der Hand legen mag. Die Geschichte spielt in einer Gegenwart, die es zwar so nicht gibt - jedoch aber geben könnte. Was in dieser Gegenwart allerdings passiert, geht weit über jede Alltagserfahrung hinaus und wird wohl jeden, der sich für Literatur interessiert, fesseln und zum Nachdenken anregen. Allein schon der Schauplatz des Geschehens könnte widersprüchlicher nicht sein: Ein Polizeistaat, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Literatur zu bewahren und in dem das größte Verbrechen das Verschwinden oder die Verstümmelung eines Originalmanuskripts ist. Das zu verhindern ist die Aufgabe einer Spezialeinheite und in dieser arbeitet die Heldin Thursday Next. Diese wird auf einen mysteriösen Erzbösewicht angesetzt, der über die Grenzen von Fiktion und fiktiver Roman-Realität hinweg abscheuliche Schandtaten begeht. Archeron Hades, so heißt der Mann, plant einen Anschlag auf das literarische Heiligtum "Jane Eyre" von Charlotte Brontë. Auf ihrer Jagd nach dem Schurken erklärt Thursday Next dem Leser ihre seltsame Welt, dem sich auf diese Weise ganz neue Blinkwinkel auf die Literatur eröffnen. Entgegen anderslautender Meinungen muss man den Originalroman "Jane Eyre" nicht gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Wer sich jedoch ein wenig mit Shakespeare, Byron, Dickens und Co. auskennt, hat einfach noch mehr von der Lektüre dieser faszinierenden Geschichte, die die Elemente eines spannenden Krimis mit denen eines aberwitzigen Fantasy-Romans lesenswert vereint. Wo viel Licht ist, ist meistens auch ein wenig Schatten und so weist auch dieser Roman einige kleine Schwächen auf. Die Liebesgeschichte kommt ein wenig unmotiviert in den Handlungsverlauf eingeflochten daher, Thursdays Bruder Joffy weiß auch nicht so recht, wie er die Geschichte voranbringen soll und am Ende löst sich vielleicht der ein oder andere Handlungsstrang zu viel auf. Doch darüber hinaus ist "Der Fall Jane Eyre" eine spannende Lektüre und Freunde der Serie können sich auf weitere unvermeidliche Abenteuer der Titelheldin Thursday Next freuen. Hat Sie unsere Rezension neugierig gemacht? Kennen Sie das Buch bereits und können Sie unseren Eindruck bestätigen?
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