06.02. 2012
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Maarten 't Hart: In unnütz toller WutText: AC-Freizeit Redaktion Außer mit dem Hund Gassi gehen, den Gemüsegarten bestellen, bei Begräbnissen Orgel spielen und gelegentlich mal Nacktmodell stehen ist wirklich nicht viel los in der holländischen Provinz - besonders, wenn man sich als Schriftsteller auf seinen Tantiemen ausruhen kann. Eine attraktive Fotografin, die einen Fotoband über herausragende Persönlichkeiten des Dorfes erstellen will, verspricht da eine willkommene Abwechslung. Die Neugierde ist zunächst groß, doch als plötzlich ein Fotografierter nach dem anderen verstirbt, droht die Dorfidylle aus den Fugen zu geraten. An diesem Punkt werden die Weichen gestellt. Man hätte aus der Story einen mehr oder weniger haarsträubenden Thriller entwickeln können, in dem sich der Schriftsteller, der natürlich Kriminalromane schreibt, auf die Suche nach dem Mysterium begibt. Doch der Schreiberling beschäftigt sich gerade nicht mit Krimis sondern mit Biologie und außer einer einzigen, bescheiden erfolgreichen, Veröffentlichung hat er auch herzlich wenig auf die Reihe gebracht, wie er selbst feststellt. Und so erzählt die Geschichte auch nicht von Mord und Totschlag sondern von dem beschaulichen Leben auf dem Land mit einer Vielzahl skurriler Typen und Charaktere, die liebevoll gezeichnet werden. Kritiker des Romans "In unnütz toller Wut" des Holländers Maarten 't Hart vermissen die Handlung der Erzählung - und tatsächlich: gehandelt wird wenig, dennoch passiert eine ganze Menge. Es gibt keinen Helden, der die Handlung an sich reißt und sie auf ein ganz bestimmtes Ziel hintreibt. Wenn etwas in dem Dorf passiert, dann kommen die Impulse von außen - und das ist es, was die Erzählung so interessant macht. Wie in einem Reagenzglas spielt sich das Dorfleben ab und der Leser verfolgt in gleichzeitiger Innen- und Außensicht, was als nächstes geschieht, ganz nach dem Motto: nimm ein Tröpfchen staatlicher Willkür, tragischen Unglücks, Alterswahnsinns oder mystisch-exotischen Liebreizes und beobachte die gesellschaftliche Reaktion. "In unnütz toller Wut" ist keine Dorfposse sondern eine augenzwinkernde Geschichte über die begrenzte Selbstwahrnehmung und die kleinen Eitelkeiten, die unser Leben häufig in unvorhersehbare Bahnen lenken - ganz gleich, ob in der Stadt oder auf dem Dorf und wer ganz genau hinschaut, erkennt sich vielleicht sogar ein gutes Stück selbst. Leser, die einen Kriminalroman suchen, sollten sich vom Klappentext nicht in die Irre führen lassen, denn sie werden zwangsläufig enttäuscht sein. Hat Sie unsere Rezension neugierig gemacht? Kennen Sie das Buch bereits und können Sie unseren Eindruck bestätigen?
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