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Willem Elsschot: Leimen

Text: AC-Freizeit Redaktion

Wer könnte von sich behaupten, noch niemals von einer Werbung geleimt worden zu sein? So gut wie jeder hat sich schon einmal von den lockenden Versprechungen der Reklame zum Kauf eines Produktes verführen lassen und häufig merkt man es nicht einmal. Da ist es schön zu wissen, dass die Hersteller dieser Produkte oder Anbieter von Dienstleistungen selbst auch nicht vor den einschmeichelnden Lobhudeleien der Werbebranche gefeit sind und sich, genau wie ihre Kunden, von ausgebufften Geschäftemachern an der Nase herumführen lassen.

Leimen, das ist in Willem Elsschots gleichnamigem Roman die Praxis des Geschäftsmanns Boorman, der sich mit rhetorischer Spitzfindigkeit die Schwächen und Eitelkeiten seiner potentiellen Auftraggeber zunutze macht, um ihnen seine Broschüren unterzujubeln. Da er sich zurückziehen möchte, sucht sich Boorman einen Nachfolger. Zusammen mit diesem durchlebt der Leser dessen Lehrzeit, in der er die Grundzüge der Reklame und des Geschäftemachens pointiert enthüllt bekommt.

Als der Roman 1924 erschien, steckte die moderne Werbung noch in den Kinderschuhen. Plakate, Broschüren, Flugblätter, Zeitungen und Magazine waren die Hauptträger verkaufsfördernder Botschaften. Doch bereits zu dieser Zeit waren die Grundprinzipien der Reklame abgesteckt: Auf das Produkt kommt es nicht so sehr an, solange die Verpackung stimmt. Vor allem aber ist die Botschaft immer die gleiche und das Produkt daher beliebig austauschbar. In der Wertschöpfungskette steht über dem Kunden der nicht immer ganz ehrliche Produzent oder Dienstleister. Noch eine Stufe darüber agiert jedoch der skrupellose Geschäftemacher, dessen gewieften Machenschaften alle anderen auf den Leim gehen.

"Leimen" ist eine bissige und böse Satire auf die Welt der Werbung und darauf, wie man sich nur allzu gern von ihr einlullen und hofieren lässt. Schmunzelt man zunächst noch über den Einfallsreichtum Boormans, an das Geld der anderen heranzukommen, so schwenkt die Stimmung sehr bald um. Fasziniert und gleichzeitig abgestoßen verfolgt der Leser, wie die Hauptakteure ihre Seele nach und nach der gnadenlosen Gier nach Geld verschreiben.

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