06.02. 2012
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Walter Moers: Rumo und die Wunder im DunkelnText: AC-Freizeit Redaktion Gerade den Windeln entwachsen wird ein Junge mitsamt seiner Familie entführt. Er muss zusehen, wie seine Zieheltern auf bestialische Weise um's Leben kommen. In einer Umgebung voller Brutalität und Grausamkeit wächst er heran und muss sich in einer Welt behaupten, die er nie so richtig verstehen wird. Wer nun die Biografie des Massenmörders Charles Manson oder eine sensible Charakterstudie über einen tragischen Helden inmitten einer entmenschlichten Gesellschaft erwartet, der wird auf ganzer Linie enttäuscht. Denn was nun folgt, ist ein rasanter Fantasy-Abenteuerroman, in dem der Erzähler schamlos und genüsslich aus literarischen und vor allem filmischen Vorbildern zitiert und dabei die Vorstellungskraft des Lesers bis zur Schmerzgrenze kitzelt. Rumo, das ist der kleine Junge, oder vielmehr der junge Wolpertinger, von dem die Geschichte handelt. Wolpertinger sind wolfsähnliche Fabelwesen, die zum Kämpfen geboren sind und der kleine Rumo soll im Lauf der Handlung zum besten aller Kämpfer werden. Was passiert ist kurz erzählt: Rumo wird entführt, kann entkommen und folgt einer Spur, die ihn zu seinem Volk führt. Dort lernt er ein Mädel kennen, doch bevor daraus die große Liebe werden kann, wird sein gesamtes Volk inklusive Herzblatt verschleppt. Als tapferer Ritter steigt er in die Unterwelt hinab, um seinen Leuten zur Hilfe zu eilen. Ein außerordentlicher Kämpfer zwar, ist Rumo nicht gerade von der Macht der Intelligenz beseelt und so wird er eher wie ein Spielball des Zufalls durch die bizarre Welt "Zamonien" gespült, als dass er sein Schicksal selbst bestimmt. Auf seiner Reise hat er zahllose Abenteuer zu bestehen und Gefahren zu trotzen. Gegen die Ruchlosigkeit finsterer Gesellen wie den Zyklopen, der Blutschinken oder Vrahoks etwa besteht er Dank seiner Kampfkraft und Brutalität, vor der selbst Dirty Harry erschrecken würde. Die in epischer Breite zelebrierte Brutalität ist es auch, für die der Roman die schärfste Kritik einstecken musste. In bester Splatter-Manier metzelt sich Rumo durch die Geschichte. Walter Moers Romane leben von den bis ins Absurde gesteigerten Übertreibungen und erst vor diesem Hintergrund lässt sich, über den reinen Unterhaltungswert der Erzählungen hinaus, so etwas wie Gesellschaftskritik in sie hineininterpretieren. Denn was ist der comichaft überzeichnete Blutrausch Rumos gegen die kalkulierten und wohldosierten Portionen Gewalt, mit denen uns die Medien und insbesondere das Fernsehen zu gegebenen Anlässen konfrontieren, nicht ohne vorher, unter dem Deckmantel ehrlicher Entrüstung, medienwirksam über die Grausamkeit der nachfolgenden Hinrichtungsszenen und die Unausweichlichkeit, sie senden zu müssen, hinzuweisen. Letztlich ist Rumo nicht der strahlende Held, der irgendwelche Ideale verteidigt, sondern lediglich ein Opportunist, dessen gute Taten eigentlich nur Abfallprodukte seiner egoistischen Handlungsweisen sind. Er will der größte Kämpfer werden und um dieses Ziel zu erreichen, stürzt er sich wagemutig in die gefährlichsten Abenteuer. Seine Liebe hat genauso viel Tiefe, wie die tränenreich vorgetragenen Liebesbekundungen in den Talkshows am Nachmittag und seine Taten sind genauso edel wie die Bemühungen der Volksmusik um die Erhaltung des deutschen Kulturguts. Bleibt noch die Frage, für wen der Roman geschrieben ist. Zunächst einmal für alle, denen der "Herr der Ringe" zu schwülstig geraten ist. Und dann vor allem für diejenigen, die sich von der phantastischen Welt Zamonien gefangen nehmen lassen und sich nicht davor scheuen, augenzwinkernd Heiligtümer aus Film und Literatur zu entweihen. Neben die "13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" ist Walter Moers mit Rumo ein wirklich guter Wurf gelungen. Hat Sie unsere Rezension neugierig gemacht? Kennen Sie das Buch bereits und können Sie unseren Eindruck bestätigen?
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