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Terry Pratchett: Ab die Post

Text: AC-Freizeit Redaktion

Wer die Wahl hat zwischen einem Job als Postminister und dem Strang, überlegt nicht lang - kann aber auch sicher nicht allzu viel von der neuen Stelle erwarten. So zeigt der Ganove Feucht von Lipwick zunächst wenig Begeisterung für die ihm übertragene Verantwortung, den Postverkehr der Scheibenwelt wieder auf Vordermann zu bringen. Das Postamt quillt über vor unzugestellten Briefen und Taubendreck und seine zwei Mitarbeiter, Junior-Postmeister Grütze mit seinem "lebenden" Toupet und Stanley, der immer wieder mal "seine Momente" hat, scheinen auch nicht gerade das Personal zu sein, mit dem man ein marodes Staatsunternehmen wieder auf Trab bringt. Doch trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten schafft es Feucht von Lipwitz trotzdem, den Postbetrieb wieder zu beleben und dem Platzhirsch der Telekommunikation, den "Klackern", ernsthafte Konkurrenz zu bereiten.

Die Klacker, eine Art Telegrafie-Unternehmen, sind in der Hand von skrupellosen Investoren, die für den Gewinn sogar über Leichen gehen und deren Profitgier das gesamte Kommunikationssystem der Scheibenwelt sukzessive in den Untergang treibt. Man kann halt schalten und walten, wie man will, wenn man das Monopol über ein Geschäftsfeld hat.

Klingt bekannt? Soll es auch! Wer kann aber die Scheibenwelt vor dem Kommunikations-Kollaps und den Finanzhaien retten? Nur jemand, der sämtliche Schliche seiner Gegner kennt und das Spiel von Lug und Trug beziehungsweise Sein und Schein selbst virtuos beherrscht: Feucht von Lipwig. Mit viel Einfallsreichtum und einer gehörigen Portion Unverfrorenheit spuckt er den "Heuschrecken" von Ankh Morpork gewaltig in die Suppe.

Wer bis heute noch nicht weiß, wie Kapitalismus funktioniert, wird in Terry Pratchetts Roman "Ab die Post" auf vergnügliche Weise hinter die Kulissen des Wirtschafts- und Finanzwesens geführt und lernt ganz nebenbei, warum es irgendwann interessanter wurde, Briefmarken statt Stecknadeln zu sammeln.

Wieder einmal gelingt es Terry Pratchett vor der Projektionsfläche seiner Scheibenwelt ein aktuelles Thema mit viel Wortwitz und durchweg unterhaltsamer Ironie fabulierend zu hinterfragen.

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